Roque Bentayga auf Gran Canaria
Warum du diesen Felsen besuchen musst
Viele kennen den Steinmonolith Roque Nublo, aber der Roque Bentayga wird oft übersehen. Völlig zu Unrecht. Der wuchtige Felsen mitten im Inselinneren ist umgeben von Schluchten, Mandelbäumen und kleinen Bergdörfern.
Er liegt im Zentrum von Gran Canaria, hoch über der Caldera de Tejeda. Hier treffen Natur, alte Geschichte der Guanchen und weite Ausblicke auf die Berge zusammen.
Der Roque Bentayga ist nicht einfach nur der „kleine Bruder“ von Roque Nublo, sondern in meinen Augen sogar der schönere Ausflug.
Mir gefiel es dort auf jeden Fall besser als auf dem belebten Plateau des bekannteren Wolkenfelsen, da er Naturerlebnis und die alte Kultur Gran Canarias verbindet.
Wo liegt der Roque Bentayga und was macht ihn so besonders?
Der Roque Bentayga liegt ziemlich genau in der Mitte der Insel, oberhalb des Bergdorfs Tejeda. Er gehört zum Nublo Rural Park und ragt am Rand der Caldera de Tejeda in den Himmel.
Die Höhe liegt je nach Messung bei ungefähr 1.404 bis 1.414 Metern über dem Meer.
Geologisch ist er ein Basaltmonolith, also ein gewaltiger Felsblock aus erkalteter Lava, der stehen geblieben ist, während der Rest der Landschaft über Millionen Jahre abgetragen wurde. Ergebnis: ein markanter Felsen, der fast wie ein natürlicher Turm wirkt.
Der Roque Nublo bekommt oft den ganzen Ruhm. Aber wenn du dich für Geschichte, alte Kultplätze und ruhigere Ecken interessierst, ist der Roque Bentayga spannender und noch ein echter Geheimtipp der Kanareninsel.
Anfahrt & Parken am Roque Bentayga
Von der Küste, egal ob aus dem Süden um Maspalomas oder aus Las Palmas im Norden, bist du meist in rund einer Stunde dort, manchmal etwas mehr. Die Straßen sind kurvig, aber gut ausgebaut.
Auf der GC-60, südlich von Tejeda, zweigt eine kleinere Straße Richtung Roque Bentayga ab. Du folgst von dort einfach den braunen Hinweisschildern „Roque Bentayga“ und landest keine 5 Minuten direkt am Parkplatz des Besucherzentrums (⇨ Lage).
Gut zu wissen: Das Besucherzentrum ist kostenlos und in der Regel Dienstag bis Sonntag von etwa 9.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. ⇨ Mehr Infos
Infos zum Aufstieg auf den Roque Bentayga
Der Roque Bentayga liegt in einem Biosphärenreservat und gehört zu den „Heiligen Bergen von Gran Canaria“, die als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt sind. Der Fels selbst ragt ungefähr 600 Meter über den umliegenden Tälern auf.
Der Wanderweg zum Roque Bentayga ist kein langer Tagesmarsch, sondern eher ein kurzer, knackiger Aufstieg. Daher empfehle ich mindestens leichte Wanderschuhe, keine glatten Turnschuhe.
In der Regel brauchst du für den Auf- & Abstieg zusammen zwischen 45 Minuten und 1,5 Stunden, je nachdem, wie oft du stehenbleibst, um die Aussicht zu genießen. Und du wirst oft stehenbleiben, glaub mir.
Hauptweg Richtung Gipfel und Almogarén (heilige Stätte)
Der übliche Startpunkt ist der Parkplatz am Besucherzentrum. Dort lohnt sich unbedingt ein kurzer Stopp in der kostenfreien Ausstellung: Modelle, Fotos und Infos zu den Guanchen, ihren Höhlen und Ritualen.
Die Guides vor Ort sind sehr freundlich und beantworten gerne Fragen.
Vom Zentrum führt ein markierter Pfad nach oben. Der Weg startet relativ gemütlich auf einem breiteren Weg.
Dann geht dann in einen schmaleren, steinigen Pfad über und hat zum Schluss ein paar steilere Stufen und Abschnitte nahe an der Kante, die aber gesichert sind. Selbst mit meiner leichten Höhenangst hatte ich hier kein Problem.
Du erreichst erst den sogenannten Almogarén, einen alten Kultplatz der Ureinwohner. Dort findest du in den Felsen Vertiefungen, die vermutlich für Rituale, Opfergaben oder astronomische Beobachtungen genutzt wurden.
Auch findest du weitere Höhlen auf dieser Ebene, von denen es mehr als 100 natürliche und von Menschen gemachte auf dem Bentayga gibt.
Komplett hinauf geht es aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der Fundstellen nicht überall. Trotzdem fühlt es sich oben sehr „gipfelig“ an.
Von hier oben siehst du:
- Roque Nublo in der Ferne, wie eine Silhouette am Horizont
- Pico de las Nieves, den höchsten Punkt der Insel
- tiefe Schluchten, die wie Falten in der Landschaft liegen
- das Dorf Tejeda, das sich ans Bergrelief schmiegt
Wir hatten bei unserem Besuch einen klaren Tag erwischt und Weitblick bis zum Atlantik, mit etwas Dunst. Manchmal liegt eine Wolkendecke wie ein weißes Meer unter den Gipfeln. Dann stehen nur noch die höchsten Punkte raus, fast wie Inseln im Nebel.
Roque Bentayga und die Guanchen
Für die Ureinwohner der Kanaren, oft Canarios oder Guanchen genannt, war dieser Fels ein heiliger Ort.
Früher nutzten sie den Bentayga als Kultplatz, Wohnort und Zuflucht. Der Almogarén war ein wichtiger Ritualplatz. Man geht davon aus, dass hier Opfer dargebracht, Feste gefeiert und vielleicht auch Sterne beobachtet wurden.
Wie auch an vielen anderen Orten auf der Insel, erkennt man in den umliegenden Felsen viele große und kleine Höhlen, die als Wohnungen, Vorratsräume oder Heiligtümer dienten.
Im 15. Jahrhundert, zur Zeit der spanischen Eroberung, spielte der Roque Bentayga eine Rolle als Rückzugsort. Einige Quellen sprechen davon, dass sich Menschen hier verschanzt haben, bevor die Insel endgültig unterworfen wurde.
Wenn ich mir die steilen Flanken ansehe, kann ich mir gut vorstellen, wie schwer zugänglich dieser Ort damals war.
Heute ist das Gebiet ein archäologischer Park. Im Besucherzentrum bekommst du, wie gesagt, viele interessante Informationen. Den Info-Film gibt es übrigens auch auf Deutsch.
Einfach die Guides vor Ort fragen, die insgesamt unglaublich hilfreich und nett sind und sich freuen ihre Infos mit Besuchern teilen zu können.
Beste Besuchszeit für den Roque Bentayga
Gran Canaria hat das Image von „immer mildem Wetter“. Stimmt grob, aber im Inselinneren spielen Höhe, Wolken und Wind eine größere Rolle als am Strand. Der Roque Bentayga liegt auf rund 1.400 Metern, das merkst du sofort.
Ich plane Besuche im Inselinnern daher eher an Tagen mit stabiler Vorhersage. Wenn die Wettermeldung schon morgens nur Wolken und Nebel für die Berge anzeigt, schiebe ich den Ausflug lieber auf einen anderen Tag.
Besonders magisch ist die Gegend rund um Tejeda im Januar und Februar, wenn die Mandelbäume blühen.
Dann leuchten an den Hängen überall weiß-rosa Tupfer, und der Fels thront darüber wie ein dunkler Wächter. In Tejeda selbst gibt es in dieser Zeit oft Feste rund um die Mandelblüte.
Für die Tageszeit gilt für mich:
- Vormittag: Meist stabilere Sicht, weniger Hitze, weniger Leute
- Später Nachmittag: warmes Licht, lange Schatten, sehr fotogen
Die Mittagssonne meide ich, vor allem im Sommer. Die Felsen heizen sich dann auf und der Schatten ist knapp.
Auch im Sommer kann es oben plötzlich bewölkt oder windig werden. Ich hatte schon Tage, an denen ich im T-Shirt losgefahren bin und oben froh über meine dünne Jacke war. Schichtenprinzip ist hier dein Freund.
Vivienda Vacacional La Portada
Gut ausgestattete, kleine Ferienwohnung mit einmaliger Terrasse im schönen Bergdorf Tejeda. Super zentral und trotzdem ruhig. Perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Bergwelt Gran Canarias (⇨ weitere Infos)
Was du als Nächstes tun solltest
Neben dem Roque Bentayga gibt es viele weitere Sehenswürdigkeiten auf Gran Canaria, die du besuchen solltest. Neben Highlights wie Las Palmas oder dem Roque Nublo gibt es viele, weniger bekannte Orte, die du nicht verpassen solltest.