Gran Canaria Geheimtipps
11 Highlights & Sehenswürdigkeiten abseits der Massen
Gran Canaria hat ein Problem: es ist zu beliebt.
Wer einmal auf dem Plateau des Roque Nublo stand oder am Strand von Maspalomas war, kennt das: Busse, Fototouristen, volle Parkplätze.
Aber die Insel kann auch ganz anders. Ruhig, rau, ursprünglich und ohne Menschenmassen.
Nach drei Reisen über die Insel habe ich Ecken entdeckt, in denen du kaum Menschen begegnest.
Höhlen, Aussichtspunkte, alte Kultstätten und wilde Küstenstreifen, die unglaublicherweise kaum besucht werden, obwohl sie mindestens genauso beeindruckend sind wie die bekannten Highlights.
Hier zeige ich dir 11 echte Gran Canaria Geheimtipps, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Ideal für Individualreisende, Wanderfans oder alle, die die Insel ohne Trubel erleben wollen.
1. Roadtrip-Tipp auf der GC-210
Die GC-210 ist für mich die spektakulärste Straße der Insel. Sie hat Kurven ohne Ende, schneidet sich durch tiefe Schluchten und verbindet den Westen mit dem bergigen Inselzentrum.
Hier fahren keine Busse und es kamen mir insgesamt nur wenige Autos entgegen was bei der Straßenbreite auch echt gut ist. Aber keine Sorge: die Straße ist zwar oft nicht zweispurig, es gibt aber immer wieder Buchten um den Gegenverkehr, der sehr gering ist, vorbeizulassen.
Felsen, kleine Dörfer und ständig neue Blicke in die Tiefe. Wenn du, wie ich, gern fotografierst, wirst du alle paar Minuten anhalten wollen. Es gibt nicht viele Parkbuchten und ich empfehle dir deswegen sie alle zu nutzen.
Startpunkt dieser Traumstraße ist im bergigen Inselinneren Artenara, das Ziel im Westen ist Aldéa de San Nicolás. Anfangs fährst du noch gemütlich durch lichten Wald, doch hinter dem Dorf Acusa Verde wechselt die Scenerie. Es wird trockener, die Straße enger, steiler und kurviger.
Der folgende und spektakulärste Abschnitt nennt sich „Tal der Tränen“ (Valle de las Lágrimas). Die Straße windet sich in steilen Kehren mit bis zu 25% Gefälle, durch das zerklüftete Tal. Meist sind es aber eher 10% Steigung.
Etwa auf halber Strecke liegt der Mirador del Molino. Der Aussichtspunkt mit alter Mühle thront über den Hängen, unter dir öffnen sich tiefe Barrancos und die Straße schlängelt sich wie ein Band durch das Gestein.
Hier haben wir länger geparkt, durchgeatmet und den Blick über das karge Bergland und die Wasserflächen der Stauseen schweifen lassen.
Anschließend wechseln sich enge Felsgalerien, kleine Tunnel, steile Abgründe ab. Von oben siehst du immer wieder teils ausgetrocknete Stauseen wie die Presa de Parralillo oder die Presa Caidero de la Niña in den Tälern liegen.
Deswegen würde ich auch von oben nach unten fahren: mehr Ausblicke! Erst kurz vor Aldéa de San Nicolás weitet sich das Tal.
Felsheiligtümer & Kultstätten der Ureinwohner
Viele kennen nur den Roque Nublo und den Pico de las Nieves. Beide Felsen sind absolut beeindruckend, aber auch oft überlaufen. Ich mag lieber die stilleren Orte mit Geschichte, an denen man die Kraft der Insel in mehr Ruhe spürt.
Dazu gehören die alten Felsheiligtümer der Altkanarier. Sie waren für die Ureinwohner spirituelle Plätze und dienten als Siedlungs- oder Kultorte.
Heute kannst du dort zwischen Terrassenfeldern, Höhlen und Felsstufen unterwegs sein, meist ohne viele andere Menschen.
2. Roque Bentayga
Der Roque Bentayga liegt im Zentrum der Insel, in der Nähe von Tejeda. Von Weitem wirkt der Fels wie ein Wachturm über den Terrassenfeldern und Schluchten. Statt mit Hunderten Menschen auf dem Plateau des Roque Nublo zu stehen, waren wir hier bei unserem Besuch fast alleine.
Es gibt einen Parkplatz und ein kleines Infozentrum, das interessante Einblicke in die Geschichte des Ortes gibt. Der Weg nach oben ist nicht lang, aber etwas steil, gutes Schuhwerk lohnt sich.
Am höchsten Punkt gibt es nicht nur einen tollen Ausblick auf den Roque Bentayga und seine Umgebung, unterhalb des Felsriesens sind auch einige der insgesamt über 100 Höhlen der Ureinwohner zu finden.
3. La Fortaleza de Ansite
La Fortaleza de Ansite liegt im Südosten der Insel, in einer eher trockenen, wüstenartigen Gegend. Die Felsen sind aus Tuff, durchlöchert von Höhlen, dazu Terrassen und kleine Pfade.
Dieser Ort gilt als einer der letzten Widerstandspunkte der Ureinwohner gegen die spanischen Eroberer. Hier kann ich mir gut vorstellen, wie die Menschen früher in den Höhlen lebten und von oben in das breite Tal schauten.
Der Weg, durch die Haupthöhle und dann links um den Fels herum ist ca. 30 Minuten lang und technisch recht einfach. Er passiert viele weitere Höhlen, zu denen man aufsteigen kann um hineinzusehen.
Oft ist kaum jemand da, manchmal triffst du nur zwei oder drei andere Menschen. Perfekt, wenn du Geschichte spüren willst, ohne in einer großen Gruppe unterwegs zu sein.
Mehr Infos zur Geschichte der Ureinwohner findest Du im Centro de Interpretación. Dieses befindet sich auf der Zufahrtsstraße zum Felsen, oberhalb des Tirajana Stausees und lohnen ebenfalls einen kurzen Abstecher.
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Gut ausgestattete, kleine Ferienwohnung mit einmaliger Terrasse im schönen Bergdorf Tejeda. Super zentral und trotzdem ruhig. Perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Bergwelt Gran Canarias (⇨ weitere Infos)
Geheimtipps im Süden abseits von Resorts
Der Süden von Gran Canaria ist für viele nur Dünen, Shoppingcenter und Resorts. Zwischen den großen Hotels verstecken sich aber Orte, die eine ganz andere Stimmung haben. Stille, Felsen, alte Gräber und Höhlenwohnungen statt Poolmusik.
Zwei solche Orte sind die Necrópolis de Arteara und der Barranco de Guayadeque. Beide verbinden Natur und Kultur und zeigen, dass der Süden viel mehr kann als All-inclusive.
4. Necrópolis de Arteara
Die Necrópolis de Arteara ist eine große prähispanische Begräbnisstätte. Überall siehst du Steinhügel, sogenannte Tumuli, die Gräber der Altkanarier. Sie liegen in einer kargen Lava- oder Gerölllandschaft, umrahmt von Felsen. Ein Meer aus Steinen!
Der Ort fühlt sich sehr ursprünglich, wild und karg an. Es gibt Wege und Infotafeln, die kurz und verständlich erklären, was du siehst (⇨ Mehr Infos zur Archäologischen Stätte).
Ich habe diesen Ort auf einer einfachen Rundwanderung ab Arteara eher zufällig gefunden. Richtig toll, da wir zuerst durch einen Palmenhain und dichten Bambus durchgewandert sind und nur ein bisschen später in dieser unwirklichen Steinwelt standen (⇨ Zur Wanderung).
Wichtig: Auf den Grabhügeln nicht herumklettern und keine Steine verschieben. Es ist ein Friedhof, nur viel älter.
5. Wanderung im Talschluss des Barranco de Guayadeque
Der Barranco de Guayadeque ist eines meiner Lieblingstäler. Tief eingeschnitten, mit grünen Hängen, Höhlenhäusern und deutlich kühler als die Strände im Süden.
Am Talende startet eine tolle, leicht anspruchsvolle Wanderung in Richtung Talschluss. Die knapp 500 Höhenmeter zu Beginn sind etwas anstrengend aber sehr lohnend und für trittsichere Wanderer gut machbar.
Du steigst zwischen Felswänden, an Höhlen und üppiger Vegetation vorbei, und mit jedem Schritt wird der Ausblick schöner.
Oben ist man ganz weit weg vom Trubel, obwohl die Küste und das beeindruckende Tal gut sichtbar sind. Entlang eines aussichtsreichen Höhenwegs geht es weiter ins Tal.
Sanft absteigend wandern wir am Ende auf der anderen Talseite, über einen einfachen Fahrweg zurück zum Ausgangspunkt. (⇨ Zur Wanderung)
Sehenswert und wieder etwas mehr besucht sind auf der Rückfahrt durch das Tal, die Cueva Bermeja Höhlensiedlung und das Besucherzentrum (⇨ Lage).
Panoramablicke statt Parkplatzchaos
Der Pico de las Nieves ist der höchste Punkt der Insel, ein belebter Parkplatz mit Aussicht. Für ein ruhigeres Gipfelerlebnis ziehe ich zwei andere Orte vor: den Pico Campanario und den El Montañón.
Dort brauchst du zwar etwas mehr Einsatz, weil du wandern musst, bekommst dafür aber Panorama mit deutlich weniger Menschen.
6. Pico Campanario
Der Pico Campanario (1.917m) liegt in der höchsten Region der Insel, nicht weit vom bekannten Pico de las Nieves. Trotzdem kennen ihn viele nicht. Genau das macht ihn zu einem Geheimtipp Gran Canariars für Wanderer.
Du erreichst den Gipfel mit der beeindruckenden Felswand nur zu Fuß, es gibt keinen großen Parkplatz direkt ganz oben. Vom höchsten Berg der Insel, dem Pico de las Nieves, sind es ca. 30 Minuten entlang der breiten Felskante.
Oben hast du einen weiten atemberaubenden Panoramablicken über die Caldera de Tirajana und bei gutem Wetter bis nach Teneriffa zum Teide. Das fühlt sich an, als würdest du auf dem Dach der Insel stehen.
7. El Montañón
Die meisten Besucher des Roque Nublo laufen maximal die kurze Standardrunde. Ich schaue mir den berühmten Felsen viel lieber aus kurzer Entfernung an, da er dann viel beeindruckender wirkt als vom Besucherplateau. Der El Montañón ist dafür ideal.
Er ist ein kleiner, wenig bekannter Gipfel mit tollem Blick auf den Roque Nublo und in die umliegenden Schluchten. Ich war schon zwei Mal oben und habe noch nie jemanden auf diesem tollen Aussichtspunkt getroffen.
Vom, mittlerweile für Autos gesperrten Mirador de la Goletta auf der GC-200, dem Ausgangspunkt der Roque Nublo Rundwanderung, sind es nur 30 Minuten, leicht berghoch auf der anderen Straßenseite.
Pack eine Windjacke oder ähnliches ein, denn oben weht oft ein leichtes Lüftchen.
Mein Tipp: Ich habe beide Gipfel (Pico Campanario & El Montañón) sowie den Pico de las Nieves in einer tollen 10km Rundwanderung kombiniert, die ich für Wanderer nur empfehlen kann. (⇨ Zur Wanderung)
Meer ohne Massen
Auch am Meer gibt es genug Orte ohne Liegenreihe und Dauerbeschallung. Drei Favoriten von mir liegen an sehr unterschiedlichen Ecken der Insel: ein wilder Stadtstrand, ein ruhiger Leuchtturmplatz und ein entspannter Hafenort.
Jeder dieser Orte hat einen eigenen Charakter, alle drei fühlen sich weit weg von der Hotelkulisse im Süden an.
8. Playa del Confital
Der Playa del Confital liegt nördlich der bekannten Playa de Las Canteras in Las Palmas. Im Vergleich wirkt er fast roh. Holzstege, Felsplatten und klares Wasser prägen das Bild.
Hier gibt es weniger Infrastruktur, dafür mehr Natur und Locals. Der Untergrund ist oft felsig, Badeschuhe sind sinnvoll, wenn du ins Wasser gehen willst.
Zu Fuß spazierst du von Las Canteras aus immer entlang der Küste. Auf dem schönen, ca 30-minütigen Weg gibt es, sobald du die Häuser hinter dir gelassen hast, keinen Schatten. Ich empfehle daher einen Hut oder ein Tuch.
Einen besonders tollen Blick auf beide Strände und die Inselhauptstadt im Hintergrund hast du von dem kleinen Gipfelkreuz, dem Mirador de la Cruz, oberhalb vom Confital Strand (⇨ Lage)
9. Faro de Sardina
Während sich in Maspalomas am Leuchtturm die Menschen am Strand drängeln, steht am Faro de Sardina nur ein rot-weißer Turm im Wind.
Die Küste dort ist rau, mit Felsen, Meeresschwimmbecken und Blick auf den Atlantik. Hier könnte ich stundenlang den riesigen Wellen und der Brandung zugucken. Unglaublich beruhigend!
Sardina del Norte ist ein kleines Fischerdorf, in dem absolut nichts los ist. Am Leuchtturm selbst gibt es einen großen Parkplatz und viel raue Küste, sonst nichts (⇨ Lage). Schwimmen kannst du hier, egal zu welcher Jahreszeit nicht.
Es kann sehr windig werden. Eine Jacke ist daher fast immer eine gute Idee, vor allem wenn du länger sitzen und die raue Natur genießen willst.
10. Puerto de las Nieves (Agaete)
Puerto de las Nieves ist mein Lieblingsort, wenn ich Meer und Berge gleichzeitig sehen will. Die weiß-blauen Häuser, kleine Fischrestaurants und die steilen Klippen im Hintergrund ergeben eine entspannte Mischung.
Der bekannte Fels „Dedo de Dios“ wurde bei einem Sturm zwar teilweise zerstört, aber die Bucht ist immer noch schön.
Besonders mag ich die natürlichen Meeresschwimmbecken Las Salinas. Dort kannst du sicher im Meer baden und gleichzeitig Wellen draußen an den Felsen brechen sehen (⇨ Beachte Wetterwarnungen!).
Von den Naturpools gibt es eine schöne Wanderung entlang der Küste, vorbei an der Bucht La Caleta und ein paar Höhlen auf den Punta Gorda Felsen, von dem du eine wahnsinns Aussichts auf die zerklüftete Westküste und Agaete hast. (⇨ Zur Wanderung)
11. Die Regenbogenfelsen (Los Azulejos de Veneguera)
Auf der Westseite Gran Canarias liegen die Los Azulejos de Veneguera, die „Regenbogenfelsen“ (⇨ Lage). Schon von der Straße siehst du grüne, rote und gelbliche Schichten in den Felswänden.
Die Farben stammen von Mineralien und alter vulkanischer Aktivität. Die bunten Felsen sind ein willkommener Stopp auf der schönen GC-200, um sich kurz die Beine zu vertreten.
Entlang der Straße gibt es einige Parkbuchten. Halte am besten nicht direkt in der unübersichtlichen Kurve. Da ein Stopp hier nicht lange dauert, sind belegte Parkplätze in den Parkbuchten oft schnell wieder frei.
Was du als Nächstes tun solltest
Nun kennst du meine Gran Canaria Geheimtipps, solltest aber trotzdem die Hauptsehenswürdigkeiten der Insel nicht verpassen denn diese lohnen sich natürlich ebenfalls, auch wenn sie meist oft besucht sind und du dort nicht allein sein wirst.